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von den wURzeln zu den blättERn


katatsumuri
sorosoro nobore
fuji-no yama

die kleine schnecke
stetig stetig steigt sie auf
den fujiyama


KLEIN ABER OHO
geh den weg der kleinen schnecke von Issa

Auslese

WEIẞE BIRKE im slawischen strom +


bíla bříza (CZ)


17.11.2019 veränderbar - art der kultur
Tschechisch-Deutsche Lesung mit Eva Cello Skiera & selbstgebrannten Übersetzungen

Jan Skácel (7.2.1922 - 7.11.1989)

Kdo pije potmě víno - WER IM DUNKELN WEIN TRINKT

„Zu Hause“, sagt er, „ist in Mähren ‚bei uns’.“
„Host do domu“ – Gast im Haus, so heißt seine Kulturrevue in Brno/Brünn.
Ein Dichter, der „zu Hause höchstens auf dem Küchentisch da ich keinen Schreibtisch habe einige Verse ins Reine schreiben und sie dann entweder in den Mülleimer werfen oder mit einer gewissen verzweifelten Hoffnung in die Akte legen (kann)“…

Ja, „ich bin ein Gast auf Erden“ (singt Gerhard Schöne 1991)!
Und wer ist der Gast im Hause meines Körpers?


1967 erscheint auf Deutsch der erste Gedichtband in der Übersetzung des Lyrikers Rainer Kunze „Fährgeld für Charon“ – gefolgt erst wieder 1982 von „Wundklee“.
Zwischen 1969 und 1981 kann er nur im Samizdat bzw. im Ausland veröffentlichen.

weil alle nur im kreise reden
schweigst du dir im geist ein steinchen aus


Mit seinen Gedichten wächst Eva Cello Skiera im riesengebirgigen Trutnov/Trautenau auf, die aus der Čapek-Familie stammt und seit einigen Jahren als Künstlerin, Kaffee-Designerin und inzwischen Yogalehrerin in Dresden lebt.

Im Januar 2019 bringt sie mir einen Stapel voller Skácel.
Zum Glück auf Deutsch. Leider nur wenig tschechisch. Eine Offenbarung.
Im April gibt sie mir handgeschrieben ein Gedicht auf Tschechisch mit Transliteration.
Es packt mich… und um Mitternacht liegt der erste Versuch einer Übersetzung vor mir –
auf dem Küchentisch…

белая береза (belaja bereza) (RUS)


SO 4.10.2020
SO 6.10.2019
Traditionelle Russisch-Deutsche Lesung am Lagerfeuer

Marina Zwetajewa (26.9./8.10.1892 Moskau - 31.8.1941 Selbstmord in Jelabuga/Tatarstan)

ÜBERMAß und SCHWÄRMEREI

Diese beiden deutschen Worte liebt und lebt sie – und hält sie für unübersetzbar.
Und Dichter – für Juden. Ihr Mann – Sergej Efron – ist einer.
Mai 1922 Berlin – Prag – Paris. Juni 1939 wieder zurück…
Womit sie ihr eigenes Schicksal prophezeit hat.

Ihre Werke, die auch verstärkt in der Emigration lyrische Prosa einschließt,
sind zu ihren Lebzeiten wenig bekannt.
Noch in jungen Jahren bekennt sie:

Für meine Verse, Klang von Tod und Jugend, −
Und niemand las sie je −,
Die in der Läden Staub verloren scheinen
(Wo niemand sie gekauft hat, niemand kauft),
Für meine Verse wie für alte Weine
Kommt noch die Zeit herauf.

Ende der fünfziger Jahre setzt in ihrer Heimat eine Welle der Veröffentlichung ein:
ihre Bücher werden in andere Sprachen übertragen, es wird über sie geschrieben.

Die am 23.5.1920 (mit 27 ½ Jahren) von sich dichtet:

der geschaffen wurde aus stein der geschaffen wurde aus lehm (dunkel)
aber ich versilbert und funkel!
mein werk – verrat mein name – Marina
ich – vergängliche gischt des meeres



zerfetzt an euren granitenen knien (dem gericht)
ich mit jeder welle – wiederaufersteh!
ja begrüßt die gischt – die lustige gischt –
die hohe gischt des meeres!


(übersetzt am 5.10.2020)

1974 erscheint ein Poesiealbum, 1980 bei Volk und Welt MAßLOS IN EINER WELT NACH MAß und 1987/89 bei Reclam eine Auswahl mit ihrem Essay über Natalja Gontscharowa (von 1929) herausgegeben von Fritz Mierau mit Übersetzungen von namhaften Lyrikern wie Elke Erb, Sarah und Rainer Kirsch, Adolf Endler, Uwe Grüning und Richard Pietraß.

Seit 1986 in Tarussa bei Moskau finden jeden ersten Sonntag im Oktober weltweite LESUNGEN AM LAGERFEUER statt – seit 2006 im Deutsch-Russischen Kulturinstitut in Dresden.

2019 übersetze ich zum Ein-stimmen GEORGIJ (von 1921) – Sankt GEORG, der Nationalheilige der alten Rus…
den die Gontscharowa 1912 als erste ihrer „mystischen Gestalten des Krieges“ er-innert...
den die Zwetajewa schon 1904/05 in Freiburg im Schwarzwald an einem Tor wieder-erkennt...
der der Name ihres zukünftigen Sohnes wird, der 1944 im Krieg fällt…
den ich 2020 vortrage, bevor Olga das Original im unnachahmlichen Rollen des Russischen dem kleinen eingefassten „Feuerchen“ entgegen-wirft: gut, eine Schale eben –
aber immerhin auf drei Beinen…


FR 19.6.2020
MO 27.5.2019
Russisch-Deutsche Lesung an der Prießnitzmündung

Arsenij Tarkowskij (25.6.1907 Jelisawetgrad / heute: Ukraine - 27.5.1989 Moskau)

Reka Sugakleja uchodit v Elbu - DER FLUSS SUGAKLEJA MÜNDET IN DIE ELBE

Weiteren Kreisen bekannt geworden sind Arsenij’s Gedichte durch die Filme seines Sohnes Andrej Tarkowskij besonders im SPIEGEL von 1973/74, der ursprünglich "Bjely bjely djen" heißen soll – nach dem Gedicht aus dem Kriegsjahr 1942, wo er seinen Vater am Wegesrand stehen sieht: WEIßER WEIßER TAG (oder: heller heller)…

Nach ersten Gedichtveröffentlichungen im Jahre 1926 darf er erst 1962 als 55jähriger seinen ersten Lyrikband publizieren. Er lebt von Übersetzungen.

In der Wende der DDR erscheinen 1989 in einem Poesiealbum und 1990 in der legendären „Weißen Reihe“ AUF DER ANDEREN SEITE DES SPIEGELS die Übersetzungen von Katja Lebedewa und Lyrikern wie Uwe Kolbe.

Ich rufe ein beliebiges Jahrhundert,
Ich bau ein Haus darin und geh hinein.
Wohl darum sitzen mit mir eure Kinder
Und eure Frauen um den Tisch vereint –
Der eine Tisch für Großvater und Enkel:
Das Künftige vollendet sich schon heut…


aus: „Zhizn Zhizn“ (1965) – „Leben Leben“ übersetzt von Katja Lebedewa

Seine Gedichte sind mir seit jener bewegten Zeit immer gegenwärtig geblieben.

Anfang des Jahres 2013 übersetze ich "Первые свидания" (Pervye Svidanija, 1962) –
ERSTE WIEDERSEHEN (bei Katja Lebedewa 1989: Erste Begegnungen / Anne Seidel 2019: Erstes Zusammensein).
Im Laufe des Jahres erscheint REGLOSE HIRSCHE mit „gehörnten“ (eigen-willigen) Übertragungen von Martina Jakobson.
Angestachelt übersetze ich 2015/16 weitere Gedichte.

Am 16.11.2016 zu den Osteuropäischen Filmtagen im Schwarzen Salon des Kino In der Fabrik nach Arvo Pärt’s SPIEGEL IM SPIEGEL (1978) und vor Andrej’s SPIEGEL (1974) rezitiere ich ERSTE WIEDERSEHEN.

Und im Juli 2018 schließt sich ein weiterer Kreis: als ich Katja Lebedewa, die Arsenij Tarkowskij anläßlich der Buchherausgabe noch persönlich begegnet, in Berlin-Karlshorst kennenlerne und ihr (der ersten Übersetzerin) die Version meines Lieblingsgedichtes in Reimform hinterher-schicke.

Am 27.5.2019 – zum 30ten Jahresring der Rückkehr seiner Seele in den Dichterhimmel – zelebrieren wir zum ersten Mal eine LESUNG AN DER PRIEßNITZMÜNDUNG – der Auftakt zu einer Tradition zusammen mit Natascha und Olga und anderen Lyrikliebhabern des Russischen Literaturklubs:

der Fluß Sugakleja mündet in die Elbe…

frei nach dem Gedicht REKA SUGAKLEJA UCHODIT V KAMYSCH von 1933, ein Jahr nach der Geburt des Sohnes Andrej, der an einem Zeit-Fluss steht, wo der Vater zur Welt kommt und aufwächst…

Am 19.6.2020 – jetzt zur Geburt des Dichters – geschieht worauf ich gewartet habe:
es regnet…
und wir müssen uns bewegen – unter die Bäume, deren Blätter unseren Blättern Schutz bieten:
„sich regen bringt Segen“…

und alles bleibt so für alle zeit…

und wo ist die libelle? weggeflogen. und wo
das schiffchen? weggetrieben. wo der fluss? verfloss.

(übersetzt 2015)

In bleibender Erinnerung – auch unter https://drki.de/?p=6409

HAIKU drei zeilen +


haiku sind kurz
konkret und –


eine hand hebt ab
hält an und –
haut auf den tisch

merci Quentin!!!

17/12/2018 HIDDEN SEE HAIKU
erste eigene edition von 15 postkarten mit bildern von Dirk Heerklotz

5/2018 PING-PONG-POESIE
zum ersten mal veröffentlicht in den DRESDNER MINIATUREN

2/2/2018 WIEDER EIN JAHR
mit Volker Sielaff, Migiwa Shimizu, Axel Kabbe und Elke Werner vom TEERAUSCH
im chinesischen pavillon

19/1/2017 HAIKU-KREIS
bis mitte des jahres ist donnerstags DICHTER TAG
in der bibliothek der freien waldorfschule

24/1/2014 WINTER LICHTER
zum ersten mal ertönen die haiku: mit Migiwa Shimizu auf japanisch
und Axel Kabbe auf der shakuhachi-flöte

4/1/2014 LAUSCH-RAUSCH
in einer nacht in tschechien werden bis zur morgendämmerung 11 haiku geboren

18/11/2013 UR-SPRUNG
springe dem frosch hinter-her in den ALTEN TEICH von Basho



2013/14 ROSINCHEN Zweisprachige Lyrik-Reihe
bühne Wanne Dresden

IV 21.2.2014 EVA EROS ENGEL Ekstase und Innerlichkeit (Else Lasker-Schüler & wir)
III 24.1.2014 WINTER LICHTER Haiku (japanisch)
II 20.12.2013 WER IST DA? DU! der Gesang der Rohrflöte (arabisch-persische Mystik)
I 22.11.2013 ICH IST EIN ANDERER Wort-Schöpfung - Bilder-Flut - No(n)-Sens (französisch)


2011 FATRASIEN gereimter UnSinn
nach der Entdeckung der Übersetzungen aus dem Altfranzösischen durch Ralph Dutli (2010) entstehen in einem andalusischen Bergdorf 11 Fatrasien
die erste erschallt am 11.11. 11:11 vom BunteRepublikNeustadt-Balkon

geh den weg der kleinen schnecke...

- seit 1990 Lyrik und Prosa

- Übersetzung von Lyrik

Arsenij Tarkowskij (seit 2013)
Haiku von Basho / Issa / Tetsuo Shimizu (seit 2013)
Jan Skácel mit Eva Cello Skiera (seit 2019)
Marina Zwetajewa (seit 2019)

aus SHIR HA-SHIRIM Das Hohe Lied (2014)
das sumerische Epos INANNA’s Gang in die Unterwelt (2016)
die Ballade THE LADY OF SHALOTT (2017/18)
aus der Edda YGGDRASIL der Weltenbaum (2019)


- Zweisprachige Lyrik und Prosa (unveröffentlicht)


ùTópia (deutsch und teilweise russisch) (08/2018)
němec WEIßES WEIßES WASSER (6.9.2018) eine Ballade von der Elbe
übersetzt ins Tschechische von Přemysla Klobouková VEDE VODA VEDE (05/2019)


- Veröffentlichungen von Lyrik und Prosa

PING-PONG-POESIE Haibun und Haikus in den DRESDNER MINIATUREN (05/2018)

HIDDEN SEE HAIKU eigene Postkarten-Edition mit Malerei von Dirk Heerklotz (17.12.2018)

PRIMERA VUELTA AL MUNDO EN EL DIA 6 DE SEPTIEMBRE 1522
in: WELTBETRACHTER Neue Lyrik. Eine Anthologie aus Sachsen (2010-20)
hg. von Róža Domašcyna und Axel Helbig (poetenladenverlag Leipzig) (18.7.2020)